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Degradierung des Naturschutz- und Natura 2000-Gebietes Favoritepark


Brief an Minister Bonde vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR) zu den Baumfällungen im Favoritepark:

Sehr geehrter Herr Minister Bonde,

unser Verband kümmert sich seit vielen Jahren um das Naturschutzgebiet Favoritepark in Ludwigsburg. In der Vergangenheit haben uns lange Zeit die Grundwasserabsenkung im Park und das daraus folgende Eichensterben beschäftigt, ebenso die zahlreichen Eingriffe in den Park und seine Umgebung.

Anlass für unser Schreiben sind die Anfang Februar 2015 durchgeführten Durchforstungsmaßnahmen, welche zu Schäden im Park führten.

Wie Ihnen bekannt ist, handelt es sich bei dem aus einem Hudewald hervorgegangenen Waldpark um das zweitälteste Naturschutzgebiet in der Region Stuttgart. Der Favoritepark ist der einzige, noch erhaltene Weidewald im württembergischen Unterland. Neben den alten Eichen waren es vor allem auch besonders und streng geschützte Arten, welche den ökologischen Wert des Gebietes bestimmten. So sind hier u. a. Populationen von Kammmolch, Mittelspecht, Fledermäusen belegt. Auch floristische Besonderheiten wie die Einblattesche konnten im Schutzgebiet überdauern.

 Auf Initiative unseres Verbandes wurde um das Naturschutzgebiet ein Puffer in Form von Landschaftsschutzgebieten ausgewiesen. Hier wie im Park selbst gab es aber immer wieder bauliche Eingriffe. Beispiele für Eingriffe in den Park sind u. a. der Bau der Unterführung der S-Bahnlinie Ludwigsburg-Backnang, der Bau des Fußgängersteges über die Marbacher Straße, der Fuß-/Radweg entlang der Bottwartalstraße in Zusammenhang mit der Verbreiterung der Bottwartalstraße (2012/13), Anlage eines Radweges entlang des Westlichen Parkweges (2013). In der Pufferzone, welche den Park umgab, wurden u. a. gebaut: die Waldorfschule, die Sonderschule des Landkreises Ludwigsburg, die Finanz- und die Verwaltungsfachhochschule des Landes, eine Teilbebauung der Marienwahl, eine Wohnbebauung an der S-Bahnlinie, ein Lidl-Markt mit Parkplätzen + Zwischennutzung einer Ackerfläche, mehrere Erweiterungsbauten der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, zuletzt zwei Neubauten im Jahr 2014 in unmittelbarer Parknähe.

Verwiesen sei auch auf den hohen Besucherdruck im Park mit jährlich 150 000 Erholungssuchenden. Andere Belastungen erfolgten durch Beleuchtung des Parks bzw. Feuerwerk im Zusammenhang mit Filmaufnahmen und Veranstaltungen im Favoriteschloss. Die alten Bäume (u. a. Linden) in der Allee wurden wegen Bruchgefahr beseitigt. An ihrer Stelle wurden zum Teil Jungbäume unbekannter Herkunft bzw. gärtnerische Kultivare und Kastanien gepflanzt (vergl. § 40 BNatSchG).

Die das Parkbild prägenden bis zu 400 Jahre alten Eichen sterben sukzessive ab und stürzen um, ohne dass gleichwertiger Ersatz vorhanden wäre. Ursache hierfür ist die durch Abpumpen in den Untergeschossen der Schulbauten in den Pufferzonen erfolgte Absenkung des Grundwassers im Park. Auch die im Park vorhandenen Gewässer trockneten aus.

Nach unserer Kenntnis existiert für den Park nur ein „Landespflegerisches Konzept“ des damaligen „Ministeriums für den Ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Forsten“ aus dem Jahr 1988, über dessen Umsetzung uns keine Informationen vorliegen. Es gibt keinen gesetzlich geforderten Managementplan zur dauerhaften Erhaltung der Schutzgüter im Natura 2000-Gebiet Favoritepark. Der BUND hatte dies schon vor Jahren gefordert.

Nach Aussage des Bundesamtes für Naturschutz soll dem Gebietsmanagement nicht nur die Erstellung eines Managementplans mit Kernelementen wie z. B. der Festlegung der Erhaltungs- und Entwicklungsziele und der Planung von Maßnahmen zu Grunde liegen. Ebenso wichtig sind bei der Aufstellung und Umsetzung eines Managementplans die Absicherung der Finanzierung der Maßnahmen und eine Erfolgskontrolle. Dies alles fehlt im Falle des Favoriteparks. Eine alleinige forstliche Bewirtschaftung wird den Anforderungen des Naturschutzes nicht gerecht.

Aufgrund der beschriebenen Entwicklung gehen wir von einer schleichenden Degradierung des Parkes aus. Wie bekannt, besteht für Natura 2000-Gebiete ein Verschlechterungsverbot. Deshalb empfehlen wir, dieser Entwicklung durch entschiedenes politisches Handeln Einhalt zu gebieten. Dazu fordern wir die folgenden Maßnahmen:

  • Wissenschaftliche Untersuchung zu den ehemals vorhandenen Arten und Populationen sowie der Entwicklung der Schutzgüter in einer Gegenüberstellung des früheren und des heutigen Zustandes.

 

  •  Erstellung einen Pflege- und Managementplanes allein für das Naturschutz- und Natura 2000-Gebiet Favoritepark.

 

  •  Konsequente Umsetzung des Pflege- und Managementplanes mit Einstellung der erforderlichen Mittel für Personal, Pflegekosten und fachlich-wissenschaftliche Betreuung.

 

  •  Einrichtung eines dauerhaften Monitorings über die Schutzgüter und die besonders bzw. streng geschützten Arten im Naturschutz- und Natura 2000-Gebiet Favoritepark.

 

  • Modernisierung der 75 Jahre alten Schutzgebietsverordnung - insbesondere die Aufnahme des Artenschutzes und die Anpassung an die Erfordernisse eines Natura 2000-Gebietes.


 

Wir bitten um Mitteilung, ob und bis wann mit einer Umsetzung unserer Vorschläge zu rechnen ist.

 Mit bestem Dank im Voraus und freundlichen Grüßen

 Elga Burkhardt (Vorsitzende des BUND Ludwigsburg)